Bauen mit Holz

Daniel Dalla Corte • 7. Juli 2026

Bauen mit Holz: Trend und Tradition vereint

Lesezeit: ca. 10 Minuten  |  Stand: 7. Juli 2026  |  Von Daniel Dalla Corte


Holz ist in der Schweiz längst kein Nostalgiematerial mehr. Bereits 20 Prozent aller Neubauten in der Schweiz entstehen in Holzbauweise (Quelle: ETH-Professor Andrea Frangi, 2024). Ein Kubikmeter verbautes Holz speichert rund eine Tonne CO2. Das BAFU schätzt das Einsparpotenzial durch Holzsubstitution auf rund 8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, das entspricht 15 Prozent der jährlichen Treibhausgasemissionen der Schweiz. Der Holzbau verbindet jahrhundertealte Thurgauer Tradition mit modernen Konstruktionsverfahren wie Brettsperrholz und Holzhybridbau. Von Architekt Daniel Dalla Corte, Ermatingen.


Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 20 Prozent aller Neubauten in der Schweiz entstehen 2026 in Holzbauweise (Andrea Frangi, ETH Zürich).
  • Im Bestand sind nur 15 Prozent der Schweizer Gebäude Holzbauten (Holzbau Schweiz).
  • Ein Kubikmeter verbautes Holz speichert rund 1 Tonne CO2 (Holzbau Schweiz), gemäss LUKB bis zu 2 Tonnen pro Kubikmeter.
  • Ein Einfamilienhaus aus Schweizer Holz bindet rund 40 Tonnen CO2, das entspricht den Emissionen eines Schweizers in 5 Jahren.
  • Der Schweizer Wald nimmt jährlich 1,5 bis 2 Millionen Tonnen CO2 netto auf (BAFU).
  • Ein Drittel der Landesfläche der Schweiz ist Wald, Gesamtvorrat 427 Millionen Kubikmeter, Jahresverbrauch rund 11 Millionen Kubikmeter.
  • 70 Prozent des in der Schweiz verbauten Holzes werden importiert (Raiffeisen).
  • Holzbauten weisen im Variantenvergleich rund 20 Prozent weniger graue Treibhausgase auf als vergleichbare Massivbauten, bei Aufstockungen bis 68 Prozent (HSLU Immobilienblog 2026).


Holz war im Thurgau schon immer der zentrale Baustoff. Doch zwischen der jahrhundertealten Riegelhaustradition und dem zeitgenössischen Brettsperrholz-Hochhaus liegen Welten der Verarbeitungstechnik. Beide haben dieselbe Grundlage: einen Baum, der Kohlendioxid in einen Baustoff verwandelt.

Holz ist der einzige Baustoff, der zweimal lebt: einmal im Wald als Baum, einmal im Haus als Träger einer Familie.

In diesem Beitrag erkläre ich, warum der Holzbau in der Schweiz 2026 eine echte Renaissance erlebt. Welche Zahlen wirklich zählen, welche Mythen Sie ignorieren können, und welche Verbindungen zwischen Tradition und modernen Verfahren bestehen.


Warum erlebt der Holzbau gerade jetzt eine Renaissance?

Die Antwort steckt in drei Buchstaben: CO2. Mit den Schweizer Klimazielen bis 2050 rückt Holz ins Zentrum jedes ernsthaften Bauprojekts. Andrea Frangi, Professor für Holzbau an der ETH Zürich, spricht von einer ‚wahren Renaissance des Holzbaus‘. In der Schweiz werden bereits rund 20 Prozent der Neubauten aus Holz errichtet, in Deutschland sind es etwa 12 Prozent.

Der Trend ist europaweit. In Stockholm entsteht die ‚Wood City‘, ein ganzes Holzquartier für 30’000 Menschen. In Berlin wird ein Holzviertel mit über 5’000 Wohnungen für mehr als 10’000 Bewohner geplant. In Norwegen steht seit 2019 das höchste Holzhochhaus der Welt, im Rotterdamer Lloyd-Quartier wächst das 50 Meter hohe Holzwohngebäude Sawa. In Kempten im Allgäu wurde 2021 ein siebenstöckiges Holzhochhaus aus mehr als 350 Fichten errichtet.

In der Schweiz entstehen entsprechende Projekte in Zug, Winterthur und Biel. Die Vorteile sind durch die Schweizer Branche dokumentiert. Mehr zu den ökonomischen und konstruktiven Argumenten finden Sie auf dallacorte.ch im Beitrag zu Holzbau im Wohnbau: Nachhaltigkeit trifft Wirtschaftlichkeit.

Holz war für Jahrhunderte das Material der Arbeiter und Bauern. Heute ist es das Material der Klimaverantwortlichen.


Wie steht es um den Schweizer Wald als Bauressource?

Der Schweizer Wald ist eine immense Ressource. Ein Drittel der Landesfläche ist von Wald bedeckt. Der Gesamtvorrat an Schweizer Waldholz beträgt rund 427 Millionen Kubikmeter, der jährliche Holzverbrauch liegt bei etwa 11 Millionen Kubikmetern. Das schreibt Holzbau Schweiz.

Aber es gibt einen Haken. Wir importieren rund 70 Prozent des verbauten Holzes aus dem Ausland, vor allem aus dem europäischen Wirtschaftsraum. Das Raiffeisen-Interview zum Holzbau zeigt den Grund: ‚Der Holzbau-Markt wächst so schnell, dass der Schweizer Wald und die Sägereien nicht mehr mithalten‘, sagt Geschäftsführer Hans Rupli von Holzbau Schweiz.

Hinzu kommt die feingliedrige Struktur. Der Schweizer Wald gehört rund 250’000 privaten und öffentlichen Waldeigentümern. Fast ebenso viele Interessen sind im Spiel: Nutzwald, Schutzwald, Naturschutzgebiet, Erholungsraum, Anpassung an die veränderten Klimaverhältnisse. Eine einfache Lösung gibt es nicht.

Trotzdem ist Andrea Frangi optimistisch: ‚Der Wald ist die grösste Fabrik der Schweiz.‘ Jährlich wächst dort rund 10 Millionen Kubikmeter Holz nach, von denen derzeit rund 5 Millionen Kubikmeter geerntet werden. Es ist also noch Holzreserve vorhanden. Vier Hauptholzarten dominieren den Schweizer Bau: Tanne, Fichte, Buche und Eiche. Esche kommt vereinzelt dazu.


Was bringt Holz wirklich fürs Klima?

Die Klimabilanz ist beeindruckend, aber sie verlangt ehrliche Rechnung. Drei Effekte machen Holz zu einem CO2-Champion.


Direkte CO2-Speicherung. Bäume entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid und binden den Kohlenstoff im Holz. Pro Kubikmeter verbautes Holz bleiben rund 1 Tonne CO2 langfristig im Gebäude gespeichert. Manche Quellen rechnen sogar mit bis zu 2 Tonnen pro Kubikmeter, etwa die Luzerner Kantonalbank in ihrem Holzbau-Dossier.


Substitutionseffekt. Die Herstellung von Stahl, Aluminium, Beton und Ziegelstein verursacht deutlich höhere CO2-Emissionen als die Verwendung von Holz. Berechnungen des BAFU zit. in einem Holzbau-Schweiz-Magazinartikel zeigen: Durch energetische und materielle Substitutionen liessen sich in der Schweiz jährlich gut 8 Millionen Tonnen CO2 vermeiden, das entspricht 15 Prozent der jährlichen Treibhausgasemissionen.


Ermöglichung erneuerbarer Wärme. Am Ende der Bauwerk-Lebensdauer wird das Holz oft als Brennstoff verwendet, in Pellet- oder Schnitzelheizungen oder in Wärmenetzen. Das dabei freigesetzte CO2 entspricht etwa dem im Wachstum gebundenen Kohlenstoff. Die Bilanz bleibt neutral, sofern der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird.


Konkret: Beim Bau eines Einfamilienhauses aus Schweizer Holz werden rund 40 Tonnen CO2 gebunden. Das entspricht den Emissionen eines Schweizers in 5 Jahren, wie Schweizer Holz dokumentiert.

Ein Holzhaus ist nicht klimaneutral. Es ist klimaverantwortlich.


Welche konstruktiven Vorteile hat der Holzbau?

Holz ist nicht nur ökologisch überlegen. Auch konstruktiv hat das Material spezifische Stärken, die mit moderner Technologie zur Blüte kommen.

  • Eigengewichtsverhältnis: Holz trägt 14-mal mehr als Stahl im Verhältnis zu seinem Eigengewicht. Es ist leicht und stark zugleich.
  • Vorfabrikation: Im Holzbaubetrieb lassen sich Böden, Wände, Decken und sogar ganze Tragwerke vorfertigen. Die Bauzeit vor Ort reduziert sich um bis zu 30 Prozent.
  • Brettsperrholz (CLT): Massive Holzplatten aus kreuzweise verleimten Lamellen ermöglichen Gebäude bis 8 und mehr Geschosse.
  • Holz-Beton-Verbund: Bei mehrgeschossigen Bauten wird Beton im Untergeschoss und für Decken-Druckzonen eingesetzt, Holz in den Zugzonen. Eine smarte Kombination, die das Beste beider Materialien nutzt.
  • Wohngesundheit: Holz reguliert Feuchtigkeit und sorgt für ein angenehmes Raumklima.
  • Demontage und Wiederverwendung: Bauten aus Holz lassen sich am Ende der Lebensdauer demontieren und Bauteile teilweise wiederverwenden.


Die Holz-Beton-Verbundkonstruktion ist heute der Schweizer Standard für mittel- und hochgeschossigen Holzbau. Sie verbindet die Tragfähigkeit des Betons mit der Ökologie und Leichtigkeit des Holzes. Mehr zur regionalen Holzbautradition finden Sie in meinem Beitrag zur
Materialität und Haptik.


Der Holzbau ist nicht automatisch günstiger als der Massivbau

Wie wirtschaftlich ist der Holzbau wirklich?

Der Holzbau ist nicht automatisch günstiger als der Massivbau. Aber er ist konkurrenzfähig, wenn man die richtigen Kennzahlen betrachtet. Eine Analyse der Hochschule Luzern vom März 2026 formuliert es so: ‚Der Holzbau hat sich im Schweizer Immobilienmarkt als ernstzunehmende Alternative etabliert, da er ökologisch führend und ökonomisch mit dem energetisch hochwertigen Massivbau konkurrenzfähig ist.‘

Drei wirtschaftliche Vorteile macht die Studie aus:

Kostensicherheit. Vorfabrizierte Holzelemente kommen mit fixen Preisen und planbaren Bauzeiten. Wetter- und Witterungsbedingte Verzögerungen sind seltener. Bauherrenrisiken sinken.

Verkürzte Bauzeit. Die Vorfabrikation reduziert die Bauphase vor Ort um bis zu 30 Prozent. Das spart Bauzinsen, Mietverluste und Logistikkosten.

ESG-Vorteil und Werthaltigkeit. Internationale Studien von EY, JLL und UBS zeigen: Nachhaltig zertifizierte Gebäude erzielen Zuschläge von rund 19 bis 28 Prozent auf den Transaktionspreis in internationalen Grossstädten. Das Risiko sogenannter ‚Stranded Assets‘, also Gebäude, die wegen unzureichender Energieeffizienz Wert verlieren, sinkt mit Holz.


Ökologisch ist die Bilanz eindeutig. Die HSLU-Analyse zeigt: Holzbauten reduzieren die grauen Treibhausgasemissionen im Variantenvergleich mit einem mineralischen Zwilling im Mittel um 20 Prozent, bei einzelnen Bauteilen bis 38 Prozent. Besonders eindrücklich: Eine Aufstockung in Holzbauweise über 60 Jahre verglichen mit einem Ersatzneubau in Massivbauweise über 120 Jahre spart bis zu 68 Prozent der Treibhausgasemissionen ein.


Wie verbindet sich der moderne Holzbau mit der Thurgauer Tradition?

Im Thurgau war Holz seit jeher der zentrale Baustoff. Über 90 Prozent der alten Bauernhäuser im Kanton sind Riegelhäuser, das schreiben Standardwerke wie das von Erika Tanner. Mehr zur regionalen Bautradition in meinem Beitrag zur Thurgauer Bauordnung und ihrer regionalen Prägung.

Was die traditionelle Riegelbauweise und den modernen Brettsperrholzbau verbindet, sind drei Gemeinsamkeiten.


Vorgefertigte Elemente. Schon das Riegelhaus wurde traditionell in Zimmermannswerkstätten als Holzgerippe vorgefertigt und anschliessend auf der Baustelle aufgerichtet. Brettsperrholz und Holzelementbau sind die zeitgenössische Fortsetzung dieser Logik.


Mischbauweise. Das Riegelhaus war nie ein reiner Holzbau. Mauersockel aus Stein, Holzskelett, Ausfachungen aus Mauerwerk oder Lehm. Der moderne Holz-Beton-Verbund übernimmt diese Logik mit anderen Mitteln.


Lokale Verfügbarkeit. Beim Thurgauer Bauernhaus stammte das Holz aus dem näheren Wald. Dieselbe Logik wird heute neu verlangt, wenn Bauherren bewusst auf Schweizer Holz statt auf importiertes Material setzen.


Wer im Thurgau heute neu in Holz baut, setzt damit weniger eine Tradition fort als deren Logik. Die Bautechnik ist eine andere, das Material ist dasselbe. Eine Brücke über Jahrhunderte.

Die alte Bauerntradition und der moderne Holzhochhaus sprechen denselben Dialekt. Sie wissen nur nichts voneinander.


Welche Herausforderungen hat der Holzbau heute?

Auch der Holzbau hat seine Grenzen. Aus 20 Jahren Praxis kenne ich fünf typische Herausforderungen.


Feuchtigkeit. Holz ist heikel, wo Wasser im Spiel ist. Es kommt vorwiegend ab einem halben Meter über Boden zum Einsatz. Untergeschoss und Sockel werden in der Regel in Beton ausgeführt.


Brandschutz. Im Mittelhochhaus und Hochhaus gelten strenge Brandschutzauflagen. Brettsperrholz brennt zwar berechenbar und langsam, aber jedes Holzbau-Hochhaus braucht ein ausgeklügeltes Brandschutzkonzept.

Mehr zu den Brandschutzanforderungen finden Sie in meinem Beitrag zum Brandschutz im Wohnbau.


Schallschutz. Holz überträgt Trittschall stärker als Beton. Im mehrgeschossigen Wohnungsbau sind aufwendige Schichtaufbauten oder Holz-Beton-Verbund-Decken nötig.


Versicherung und Finanzierung. Gebäudeversicherer und Bankenpartner sind beim Holzbau zum Teil noch konservativ. Eine frühe Abklärung mit der Hypothekarbank und der Kantonalen Gebäudeversicherung lohnt sich.


Schweizer Holz nutzen. 70 Prozent des verbauten Holzes ist Import. Wer wirklich nachhaltig bauen will, achtet auf das Schweizer Holz-Label oder ein FSC-Schweiz-Zertifikat. Das ist oft etwas teurer, aber ökologisch ehrlicher.


Was ist Holzhybridbau und warum gewinnt er an Bedeutung?

Der Holzhybridbau kombiniert Holz mit Beton oder Stahl. Er ist heute die wirtschaftlich attraktivste Form des nachhaltigen Bauens.


Holz-Beton-Verbunddecken. Holz in der Zugzone, Beton in der Druckzone. Eine smarte Kombination, die beim Brettsperrholz auch im Hochhausbau angewendet wird. Sie spart bis zu 50 Prozent CO2 gegenüber reinem Massivbau.


Hybridkonstruktion. Treppenhäuser und Liftkerne in Beton für Statik und Brandschutz, Wohnbereiche in Holzbauweise. So entstehen Häuser mit dem geringeren CO2-Fussabdruck eines Holzbaus und der Stabilität eines Massivbaus.


Aufstockung in Holz. Die wirtschaftlich und ökologisch attraktivste Variante: Bestehende Massivbauten werden in Holzelementbauweise aufgestockt. Bis 68 Prozent weniger CO2 als beim Ersatzneubau. Die Vorfabrikation reduziert die Beeinträchtigung der Bewohner auf ein Minimum.


Diese Hybridansätze sind besonders in der dichten urbanen Verdichtung interessant. Im Thurgau lässt sich damit oft die Ausnützungsreserve eines Grundstücks ausnutzen, ohne den Bestand abreissen zu müssen. Mehr zu diesem Thema in meinem Beitrag zum Kellerausbau als verwandter Strategie der Innenverdichtung.


Praxisbeispiel: Holzhaus am Untersee

Ein Bauherr in Salenstein plant 2026 ein Einfamilienhaus in Holzelementbauweise. Die Eckdaten zeigen, wie sich der moderne Holzbau heute rechnet.

Eckdaten

  • Grundstück: 700 m² in Wohnzone W2 (AZ 0,5)
  • Geschossfläche: 180 m² auf zwei Vollgeschossen
  • Konstruktion: Beton-Untergeschoss, darüber Holzelementbau mit Brettsperrholzwänden
  • Dach: Holzelement mit Bauder-Vollsparrendämmung
  • Fassade: lärchenholzverkleidet, unbehandelt
  • Energiestandard: Minergie-A


Kosten und Bilanz

  • Baukosten BKP 1 bis 9: CHF 1’050’000 (CHF 5’830 pro m² Geschossfläche)
  • Holzanteil: rund 60 Kubikmeter, davon 80 Prozent Schweizer Tanne
  • Gebundenes CO2: rund 50 Tonnen im Gebäude eingelagert
  • Bauzeit: 5 Monate (vorfabrizierte Holzelemente, Beton-UG separat)


Die Mehrkosten gegenüber einem konventionellen Massivbau bewegen sich zwischen 0 und 8 Prozent. Bei Berücksichtigung der kürzeren Bauzeit, der gesicherten Bauteilkalkulation und der ESG-Mehrwerte ist die Wirtschaftlichkeit oft besser als beim Massivbau.

Ein Holzhaus zu bauen ist nicht teurer. Es ist nur anders kalkuliert.



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Rund 20 Prozent aller Neubauten in der Schweiz entstehen 2026 in Holzbauweise

Häufig gestellte Fragen zum Bauen mit Holz


Wie viele Neubauten in der Schweiz werden in Holzbauweise errichtet?

Rund 20 Prozent aller Neubauten in der Schweiz entstehen 2026 in Holzbauweise (Andrea Frangi, ETH Zürich). Im bestehenden Gebäudebestand sind nur etwa 15 Prozent Holzgebäude.


Wie viel CO2 speichert ein Kubikmeter Holz?

Rund 1 Tonne CO2 pro Kubikmeter verbautes Holz (Holzbau Schweiz). Manche Studien rechnen mit bis zu 2 Tonnen pro Kubikmeter (LUKB). Ein Einfamilienhaus aus Schweizer Holz bindet rund 40 Tonnen CO2, das entspricht etwa den Emissionen eines Schweizers in 5 Jahren.


Kann ich mit Holz auch mehrstöckig bauen?

Ja, problemlos bis 8 oder mehr Geschosse. Mit Brettsperrholz und Holzhybridbau sind seit den 2020er-Jahren auch Hochhäuser möglich. Beispiele finden sich in Stockholm, Berlin, Norwegen und auch in der Schweiz (Zug, Winterthur, Biel).


Wie steht es um den Brandschutz bei Holzbauten?

Holz brennt kontrolliert und berechenbar. Brettsperrholz und Konstruktionsholz erfüllen alle Schweizer Sicherheitsstandards. Bei Mehrgeschossbauten ist ein ausgeklügeltes Brandschutzkonzept Pflicht, das je nach Gebäudehöhe zusätzliche Lösch- und Fluchtwegsanforderungen umfasst.


Was kostet Holzbau im Vergleich zu Beton?

Etwa gleich teuer, oft sogar günstiger durch kürzere Bauzeit und Vorfabrikation. Die Mehrkosten gegenüber einem konventionellen Massivbau liegen meist zwischen 0 und 8 Prozent. Die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit ist nachgewiesen (HSLU-Analyse 2026).


Wie lange hält ein Holzhaus?

Bei richtiger Planung und Pflege über 100 Jahre. Die historischen Riegelhäuser im Thurgau aus dem 17. Jahrhundert sind bis heute bewohnbar. Holz ist ein langlebiger Baustoff, sofern er sachgerecht eingesetzt und vor anstehendem Wasser geschützt wird.


Sollte ich Schweizer Holz verwenden?

Wenn Sie wirklich nachhaltig bauen wollen, ja. 70 Prozent des in der Schweiz verbauten Holzes ist Import. Achten Sie auf das ‚Schweizer Holz‘-Label. Es garantiert kurze Transportwege, Wertschöpfung in der Region und nachhaltige Bewirtschaftung der Schweizer Wälder.


Was ist Brettsperrholz?

Brettsperrholz (auch CLT von ‚Cross Laminated Timber‘) ist eine massive Holzplatte aus kreuzweise verleimten Lamellen. Sie trägt enorme Lasten, hat hervorragende Schall- und Brandschutzeigenschaften und ermöglicht Gebäude bis 8 und mehr Geschossen. Brettsperrholz ist die zentrale Innovation des modernen Holzbaus.


Fazit

Holz ist 2026 in der Schweiz mehr als ein Material. Es ist eine Antwort auf die Klimafrage, eine Brücke zur Bautradition, ein wirtschaftlich konkurrenzfähiger Baustoff. Wer heute baut und das Klima ernst nimmt, kommt am Holzbau nicht vorbei.

Bauen mit Holz heisst, Vergangenheit und Zukunft in einem Material zu vereinen. Es ist die ehrlichste Antwort auf das Anthropozän, die ein Architekt geben kann.


Mein Rat aus der Praxis am Bodensee: Lassen Sie sich nicht von alten Vorurteilen über Holzbauten verwirren. Der heutige Brettsperrholzbau hat mit dem Riegelhaus nur die Materialgrundlage gemeinsam, alles andere ist neu. Holen Sie sich eine ehrliche Beratung, vergleichen Sie Holz und Massivbau in Variantenstudien, achten Sie auf Schweizer Holz. Mehr zur philosophischen Verbindung von Natur und Architektur in meinem Beitrag zur Phänomenologie der Architektur.


Über den Autor

Daniel Dalla Corte ist Architekt und Gründer der Dalla Corte Architects GmbH in Ermatingen am Bodensee. Das Büro ist seit 2006 auf nachhaltige Bauplanung, Holzbau, Sanierungen und Aufstockungen für Wohn- und Gewerbebauten in der Ostschweiz spezialisiert.



Rechtlicher Hinweis: Alle Zahlen sind Richtwerte 2026. Für Ihre konkrete Holzbauplanung konsultieren Sie bitte einen Architekten und einen zertifizierten Holzbauer.