Folge 8: Die Kunst des Zögerns.
Warum das Zögern, Warten und Überlegen beim Bauen unterschätzt wird.
„Wir sind noch nicht so weit.“
Ein Satz, den ich oft höre. Und immer öfter schätze.
Denn bevor etwas entsteht, entsteht zuerst Raum: für Gedanken, für Ideen, für Gespräche.
Dieser Raum ist still. Und kostbar.
Vielleicht stehen Sie gerade genau da:
Mit einer Skizze auf dem Küchentisch.
Mit einem Ordner voller Inspirationen.
Mit einer Liste, die immer länger wird.
Oder einfach mit dem Gefühl: „Es wäre Zeit für Veränderung. Aber wie?“
Dann sind Sie in der vielleicht schönsten Phase des Bauens: dem Noch-Nicht.
In dieser Phase wird nicht gezeichnet, sondern hingespürt.
Es wird nicht kalkuliert, sondern gefragt.
Was brauchen wir wirklich?
Was soll bleiben?
Was darf sich verändern?
Diese Zeit wird oft als Unsicherheit empfunden. Als Verzögerung. Als Blockade.
Doch in Wahrheit ist sie das Fundament.
Denn ein Haus, das nicht aus einem inneren Ja entsteht, bleibt äusserlich leer.
Und ein Umbau, der ohne innere Klärung beginnt, endet oft mit Frust in der Garderobe.
Ich möchte Ihnen Mut machen, dieser Phase Raum zu geben.
Sie ist nicht unproduktiv. Sie ist vorbereitend.
Und sie entscheidet, ob das, was entsteht, wirklich trägt.
Wenn wir als Architekten in diese Phase einbezogen werden, bekommt der Prozess eine andere Tiefe.
Dann hören wir zu, statt nur zu planen.
Dann denken wir mit, statt nur vor.
Dann entsteht Architektur, die sich nicht aufdrängt. Sondern einlädt.
Vielleicht ist das der Anfang: kein Plan. Sondern ein Gespräch.
Kein Projektstart. Sondern ein Innehalten.
Warten Sie gerade noch? Oder sind Sie schon mittendrin?
Ich freue mich, wenn Sie in den Kommentaren erzählen, wo Sie gerade stehen.
Vielleicht ergibt sich daraus ein nächster Schritt. Oder einfach ein gutes Gespräch.
Weitere Beiträge dieser Serie finden Sie unter:
www.dallacorte.ch/egm
Daniel Dalla Corte
Dalla Corte Architects

