Recycling-Beton
Recycling-Beton: Nachhaltiger Baustoff der Zukunft
Lesezeit: ca. 10 Minuten Stand: 12. August 2026 Von Daniel Dalla Corte
Recycling-Beton ist ein technisch gleichwertiger und preislich vergleichbarer Baustoff gegenüber konventionellem Primärbeton. In der Schweiz wird er nach dem SIA-Merkblatt 2030:2021 in zwei Kategorien unterschieden: RC-C-Beton aus reinem Betonabbruch und RC-M-Beton aus Mischabbruch. Er erreicht Druckfestigkeiten bis C30/37 im Standardeinsatz und bis C45/55 in optimierten Formulierungen. Neue Verfahren speichern zusätzlich rund 10 kg CO2 pro Kubikmeter im Beton. Der Anteil am verbauten Beton liegt in der Schweiz bei 15 Prozent, mit klar steigender Tendenz. Für Bauherren mit Nachhaltigkeitsanspruch ist RC-Beton kein Kompromiss mehr, sondern der Standard der Zukunft. Von Architekt Daniel Dalla Corte, Ermatingen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rechtsgrundlage: SIA-Merkblatt 2030:2021 ‚Recyclingbeton‘ und Grundnorm SN EN 206.
- Zwei Kategorien: RC-C-Beton aus Betonabbruch, RC-M-Beton aus Mischabbruch (mit Ziegel, Mörtel).
- RC-C-Beton eignet sich für tragende und nichttragende Bauteile bis Druckfestigkeit C30/37 (Standardanwendung) und C45/55 (optimiert).
- Preislich gleichwertig zu Primärbeton, teilweise sogar leicht günstiger (Energie-Experten, Eberhard).
- Aktueller Anteil am verbauten Beton in der Schweiz: 15 Prozent (2025), steigend.
- CO2-Speicherung durch Karbonatisierung: ca. 10 kg pro Kubikmeter Beton (Neustark, NovoCon).
- Minergie-ECO-Standard: min. 50 Prozent RC-Beton-Anteil und max. 25 km Werkdistanz.
- Nicht zulässig für: Tunnel- und Brückenbau (aktuelle Normbeschränkung).
Die Schweiz baut jedes Jahr rund 60 Millionen Tonnen Beton. Und produziert damit rund sechs Prozent des schweizerischen CO2-Ausstosses. Kein Baustoff steht so klar im Fokus der Nachhaltigkeitsdebatte.
Beton ist nicht das Problem. Beton, der nicht recycelt wird, ist das Problem.
In diesem Beitrag zeige ich, was Recycling-Beton ist, wie er sich technisch von Primärbeton unterscheidet, was er wirklich kostet und wie Sie ihn für Ihr Bauprojekt einsetzen. Mit konkreten Normen und meiner Erfahrung aus 20 Jahren Praxis am Bodensee.
Was ist Recycling-Beton eigentlich?
Recycling-Beton (RC-Beton) ist Beton, bei dem ein Teil der natürlichen Gesteinskörnung (Kies, Sand) durch aufbereiteten Bauschutt ersetzt wird. Nach Betonsuisse unterscheidet die Schweizer Norm SIA 2030 zwei Kategorien.
RC-C-Beton (Betonabbruch). Besteht ausschliesslich aus wiederaufbereitetem Betonabbruch. Er eignet sich für tragende und nichttragende Bauteile, die geringen chemischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt sind. Der Standardfall im Hochbau.
RC-M-Beton (Mischabbruch). Enthält zusätzlich Mischabbruch wie Ziegel oder Mörtel. Er wird dort eingesetzt, wo weniger hohe Anforderungen gelten , etwa bei Fundamenten oder Unterlagschichten.
Beide Varianten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung und reduzieren den Abbau von Naturkies. Die Rezyklierung ist ein zentraler Baustein der Schweizer Kreislaufwirtschaft. Nach Angaben von Betonsuisse werden bis zu 85 Prozent des Schweizer Betonabbruchs recycelt , eine Quote, die sogar diejenige von PET-Getränkeflaschen übertrifft. Mehr zum Grundgedanken einer ressourcenbewussten Bauweise finden Sie in meinem Beitrag zu Holzbau im Wohnbau.
Wie wird RC-Beton hergestellt?
Der Herstellungsprozess folgt drei Schritten und ist heute vollständig industrialisiert.
1. Rückbau und Sortierung. Beim Abriss von Bestandsbauten wird der Beton getrennt von anderen Baustoffen erfasst. Verunreinigungen wie Metalle, Holz oder Kunststoff werden aussortiert. Grosse Betonteile werden vorgebrochen.
2. Aufbereitung. Der vorgebrochene Beton wird in Recyclinganlagen zerkleinert, gewaschen und nach Korngrössen sortiert. Das Ergebnis ist Betongranulat mit definierten Korngrössenverteilungen (0-4 mm, 4-8 mm, 8-16 mm, 16-32 mm), das den Normanforderungen entspricht.
3. Betonmischung. Im Betonwerk wird das RC-Granulat mit Zement, Wasser und Zusatzmitteln vermischt. Meist wird nur ein Teil (25 bis 50 Prozent) der Primärgesteinskörnung ersetzt. Die genauen Mischungsverhältnisse folgen den Rezepturen des SIA-Merkblatts 2030.
Ein besonderes Kapitel: die CO2-Speicherung im Beton. Verfahren wie das der Berner Firma Neustark oder NovoCon der Möckli Beton AG behandeln das Recycling-Granulat mit CO2. Das Gas wird chemisch an das Granulat gebunden , durchschnittlich 10 kg pro Kubikmeter Beton, technisch bis zum Fünffachen möglich.
Der Effekt ist doppelt: Der Beton speichert CO2 aus der Atmosphäre und die Materialqualität verbessert sich zusätzlich. Die Möckli Beton AG bindet auf diese Weise jährlich rund 1000 Tonnen CO2 in ihrem NovoCon-Beton.
Beton, der CO2 speichert, ist keine Zukunftsvision. Er wird heute in Betonwerken produziert und morgen in Schweizer Häuser eingebaut.

Wie unterscheidet sich RC-Beton technisch von Primärbeton?
Die technischen Anforderungen sind identisch. Wo Bauherren immer noch Bedenken haben, sprechen die Normen und die Praxis eine klare Sprache.
Druckfestigkeit
- Standardanwendung: bis C30/37 (also 30 bis 37 MPa)
- Optimierte Rezepturen: bis C45/55 (Element AG, Eberhard)
- Für den Wohnungsbau und den durchschnittlichen Industriebau vollständig ausreichend
- Anwendungsklassen NPK A, B, C laut Standard-Sortiment abgedeckt
Weitere Eigenschaften
- Elastizitätsmodul: E-Modulklasse E30 für Standardrezepturen
- Wasserdichtheit: bis Klasse XC4 / XF1 laut Norm
- Frost-Tausalz-Beständigkeit: durch spezifische Rezepturen erreichbar
- Sichtbetonqualität: bei sorgfältiger Aufbereitung gleichwertig zu Primärbeton
- Dauerhaftigkeit: mind. 50 Jahre wie bei Primärbeton
Grenzen der Anwendung
- Nicht zulässig im Tunnel- und Brückenbau (aktuelle Normbeschränkung)
- Nicht zulässig für Sonderbauwerke mit extremen Anforderungen (z. B. Kernkraftwerk)
- Bei RC-M-Beton reduzierte Anwendbarkeit (nur bei geringeren Anforderungen)
Der Handelszeitung-Bericht 2024 fasst die Kernaussage treffend zusammen: Nachhaltiges Bauen mit Recycling-Beton ist ohne Qualitätseinbussen möglich. Details zur normativen Einordnung liefert Holcim in seinem technischen Leitfaden.
Was kostet Recycling-Beton?
Ein Vorurteil hält sich hartnäckig: RC-Beton sei teurer. Die Realität ist eine andere. Nach Energie-Experten (März 2025) ist Recycling-Beton ‚in der Regel etwa gleich teuer wie Primärbeton, manchmal sogar etwas günstiger.‘
Preisstruktur 2026 (Richtwerte für Ostschweiz)
- Standard-Primärbeton C25/30 XC1: CHF 175 bis 210 pro m³
- RC-C-Beton C25/30 XC1: CHF 170 bis 215 pro m³ (praktisch identisch)
- Primärbeton C30/37 mit CEM I: CHF 195 bis 230 pro m³
- RC-C-Beton C30/37 mit CEM II/B-LL: CHF 190 bis 240 pro m³
- CO2-angereicherter RC-Beton (NovoCon etc.): Aufpreis CHF 5 bis 25 pro m³ je nach Volumen
- RC-M-Beton (nur für niedrige Anforderungen): CHF 145 bis 185 pro m³
Break-even für die Transportdistanz.
Wichtig für die Ökobilanz: Bei normalem RC-Beton liegt der ökologische Break-even-Punkt bei 25 km Transportdistanz zum Werk. Bei CO2-angereichertem NovoCon-Beton erst bei 100 bis 170 km. Das heisst: Auch bei etwas längeren Wegen bleibt RC-Beton ökologisch überlegen.
Gesamtkosten Bauprojekt. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus (rund 300 m³ Beton für Fundament, Kellergeschoss, Decken) macht der Beton etwa 4 bis 6 Prozent der Gesamtbaukosten aus. Die Wahl zwischen Primär- und RC-Beton bewegt sich damit über die Gesamtbaukosten in der Grössenordnung von wenigen Prozentpunkten , häufig sogar in beide Richtungen.
Für Bauherren, die den Nachhaltigkeitsstandard Minergie-ECO anstreben, ist RC-Beton ohnehin gesetzt: Mindestens 50 Prozent RC-Beton-Anteil und max. 25 km Werkdistanz sind zwingend. Beitrag zur Sanierungsstrategie in meinem Text zur Sanierung im Bestand, wo Kreislauffähigkeit ein wachsendes Thema ist.
Der wahre Preis eines Baustoffs zeigt sich nicht in der Offerte. Er zeigt sich im Ökobilanzblatt über die nächsten 50 Jahre.
Wie viel CO2 sparen Sie mit RC-Beton?
Die Ökobilanz von RC-Beton hat drei Ebenen. Alle sind messbar. Alle sind relevant.
1. Vermiedene Primärgewinnung. Jeder Kubikmeter RC-Beton spart bis zu 1,8 Tonnen Naturkies. In einer Schweiz mit begrenzten Ressourcen und teuren Abbauflächen ist das ein direkter Nutzen. Es reduziert Landschaftsverbrauch und Deponieraum-Bedarf.
2. Reduzierte CO2-Emissionen. Die Zementherstellung verursacht rund 80 Prozent der CO2-Emissionen eines Betons. Durch die Verwendung von CO2-optimierten Zementen (CEM II/B-LL, CEM III/B, ZN/D) lässt sich die Bilanz weiter verbessern. Die Kombination von RC-Beton mit ZN/D-Zement reduziert die Gesamtemissionen um 25 bis 35 Prozent.
3. Aktive CO2-Speicherung. Bei den CO2-angereicherten Verfahren wird das Granulat mit CO2 begast. Rund 10 kg CO2 werden pro Kubikmeter Beton fixiert. Damit wird der Beton zum aktiven CO2-Senker. In grossen Bauprojekten (10’000 bis 20’000 m³ Beton) können so 100 bis 200 Tonnen CO2 gespeichert werden.
Insgesamt zeigt sich: Ein Einfamilienhaus mit vollständig RC-Beton und CO2-optimiertem Zement spart typisch 5 bis 12 Tonnen CO2 gegenüber der Primärbeton-Variante. Bei einem Mehrfamilienhaus mit 5 Wohnungen sind es 40 bis 100 Tonnen. Details bei Beton-RC Ökobilanz-Prospekt.
Wie setzen Sie RC-Beton in Ihrem Bauprojekt ein?
Wer RC-Beton verwenden will, muss dies frühzeitig in der Planung fixieren. Aus 20 Jahren Praxis kenne ich fünf Regeln.
1. In der Ausschreibung fixieren. Verlangen Sie RC-Beton nach SIA-Merkblatt 2030 mit mindestens 25 Prozent Recyclinganteil. Ohne Ausschreibungspflicht wird Primärbeton eingesetzt.
2. Werksentfernung prüfen. Optimale Wirkung nur bei kurzen Transportdistanzen. In der Ostschweiz z. B. Werke der Firmen Bauunternehmen wie Möckli, Eberhard oder Toggenburger , alle innerhalb 30 km vom Bodensee erreichbar.
3. Zementtyp mitdefinieren. CEM II/B-LL oder besser CEM III/B. Diese Zementtypen haben niedrigere Klinkeranteile und damit deutlich bessere CO2-Bilanzen. Der Aufpreis ist gering, der ökologische Effekt gross.
4. Minergie-ECO als Rahmen nutzen. Wer den Nachhaltigkeitsstandard Minergie-ECO anstrebt, muss ohnehin RC-Beton verwenden. Der Standard gibt einen klaren Rahmen, in dem RC-Beton nicht extra begründet werden muss, sondern Voraussetzung ist.
5. KBOB-Empfehlung berücksichtigen. Die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) gibt Empfehlungen für öffentliche Bauprojekte. Diese sind auch für private Bauherren eine gute Orientierung.
Praxisbeispiel: EFH in Ermatingen mit RC-Beton
Ein Bauherrenpaar plant 2026 einen Neubau in Ermatingen. 200 Quadratmeter Wohnfläche, unterkellert. Nachhaltigkeitsanspruch, aber bewusst pragmatischer Umgang mit Mehrkosten.
Betonvolumen und Rezepturen
- Fundament und Bodenplatte (RC-C-Beton C25/30, XC2): 45 m³
- Kellerwände und Kellerdecke (RC-C-Beton C30/37, XC4): 85 m³
- Erdgeschossdecke und Obergeschossdecke (RC-C-Beton C30/37): 55 m³
- Betonelemente Fassade Sichtbeton (RC-C-Beton C35/45): 15 m³
- Total: 200 m³ Beton, davon 100 Prozent RC-C-Beton
Kostenvergleich
- Primärbeton mit CEM I: CHF 200 pro m³, Total CHF 40’000
- RC-C-Beton mit CEM II/B-LL: CHF 195 pro m³, Total CHF 39’000
- Aufpreis für CO2-angereicherten NovoCon: CHF 10 pro m³, Total zusätzlich CHF 2’000
- Endpreis mit CO2-Angereichertem RC-C-Beton: CHF 41’000
Ökobilanz
- Primärgewinnung: 360 Tonnen Naturkies vermieden
- CO2-Reduktion Zementwahl: 8 Tonnen weniger CO2
- CO2-Speicherung durch Karbonatisierung: 2 Tonnen zusätzlich gebunden
- Gesamt-CO2-Einsparung gegenüber Primärbeton mit CEM I: ca. 10 Tonnen
Ein guter Vergleich: 10 Tonnen CO2 entsprechen dem Ausstoss von rund 50’000 gefahrenen Autokilometern. Der Mehrpreis für die ökologische Variante liegt bei CHF 1’000 gegenüber Primärbeton (CHF 41’000 vs. CHF 40’000). Ein Verhältnis, das kein vernünftiger Bauherr ablehnen sollte. Mehr zum Prinzip nachhaltiger Materialwahl in meinem Beitrag zu Materialität und Haptik.

Welche Vorurteile gegenüber RC-Beton kann ich entkräften?
Aus meiner Beratungspraxis kenne ich fünf Vorurteile, die immer wieder auftauchen und die alle unbegründet sind.
1. ‚RC-Beton ist qualitativ minderwertig.‘ Nein. Er erfüllt SN EN 206 und SIA 2030. Er erreicht bis C30/37 Druckfestigkeit im Standardfall, bis C45/55 in optimierten Rezepturen. Er ist für Wohnungsbau, Industriebau und die meisten Infrastrukturbauten vollständig geeignet.
2. ‚RC-Beton ist teurer.‘ Nein. Er ist preislich gleichwertig, teils leicht günstiger. Nur die CO2-Anreicherung erzeugt einen Aufpreis, der aber gemessen an den Gesamtbaukosten unbedeutend ist.
3. ‚RC-Beton sieht schlechter aus.‘ Nein. Bei fachgerechter Aufbereitung ist RC-Beton auch für Sichtbetonqualitäten geeignet. Die Element AG hat 2021 eines der ersten grossen Fassaden-Projekte mit RC-Beton in der Schweiz realisiert.
4. ‚RC-Beton ist nicht verfügbar.‘ Nein. Fast alle grösseren Schweizer Betonwerke produzieren heute RC-Beton. In der Ostschweiz sind Möckli, Eberhard, Toggenburger und weitere aktiv. Die Verfügbarkeit ist kein Argument mehr.
5. ‚RC-Beton ist ein Nischenprodukt.‘ Nein. 15 Prozent des in der Schweiz verbauten Betons ist bereits RC-Beton. In den Umweltlabels wie Minergie-ECO ist er Standard. Der Kanton Bern schreibt ihn für alle eigenen Neubauten gesetzlich vor.
RC-Beton ist kein Alternative-Produkt. Er ist Beton , der sich seiner Herkunft bewusst ist und daraus Kraft schafft.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen RC-C- und RC-M-Beton?
RC-C-Beton besteht ausschliesslich aus wiederaufbereitetem Betonabbruch. Er eignet sich für tragende und nichttragende Bauteile bis C30/37. RC-M-Beton enthält zusätzlich Mischabbruch (Ziegel, Mörtel) und wird nur für geringere Anforderungen wie Fundamente oder Unterlagschichten eingesetzt.
Erfüllt RC-Beton die Bauvorschriften?
Ja, vollständig. Grundlage ist die Grundnorm SN EN 206 und das SIA-Merkblatt 2030:2021. RC-Beton kann für alle Standardanwendungen im Hochbau und in den meisten Infrastrukturbauten verwendet werden.
Für welche Bauteile eignet sich RC-Beton nicht?
Aktuell nicht erlaubt: Tunnel- und Brückenbau sowie bestimmte Sonderbauwerke (z. B. Kraftwerke). Für den privaten Wohnungsbau und den durchschnittlichen Gewerbebau sind praktisch alle Standardanwendungen abgedeckt.
Wie viel CO2 spart RC-Beton?
Bei einem Einfamilienhaus typisch 5 bis 12 Tonnen CO2 gegenüber Primärbeton mit konventionellem CEM-I-Zement. Bei CO2-angereichertem RC-Beton werden zusätzlich 10 kg CO2 pro Kubikmeter Beton aktiv gespeichert.
Ist RC-Beton wirklich preislich gleichwertig?
Ja, in der Regel. Nach Marktanalysen der Energie-Experten und der Firma Eberhard ist RC-Beton preislich gleichwertig, teils sogar leicht günstiger. Nur bei CO2-Anreicherung entsteht ein Aufpreis von CHF 5 bis 25 pro Kubikmeter Beton.
Bekomme ich für RC-Beton eine Förderung?
Direkt nein, aber indirekt über Nachhaltigkeitsstandards wie Minergie-ECO. Diese Standards werden vielfach von Kantonen und Gemeinden mit Förderbeiträgen unterstützt (zwischen CHF 5’000 und 30’000 für Einfamilienhäuser). Der Kanton Bern schreibt RC-Beton für Bundesbauten sogar gesetzlich vor.
Ist die Sichtbetonqualität bei RC-Beton gleichwertig?
Ja, bei fachgerechter Aufbereitung des Recyclinggranulats. Die Element AG hat 2021 mit RC-Beton eines der ersten grossen Fassaden-Projekte der Schweiz realisiert. Sichtbeton-Optik ist heute Standard und keine Herausforderung mehr.
Wo finde ich RC-Beton-Werke in der Ostschweiz?
In der Ostschweiz produzieren mehrere Werke RC-Beton, darunter Möckli Beton AG, Eberhard und Toggenburger. Alle sind innerhalb von 30 km vom Bodensee erreichbar. Sie erhalten von diesen Anbietern auch die notwendige Ökobilanzierung nach KBOB-Betonsortenrechner.
Fazit
Recycling-Beton ist kein Nischenprodukt, kein Kompromiss und kein Zukunftsversprechen. Er ist heute verfügbar, technisch gleichwertig, preislich vergleichbar und ökologisch überlegen. Wer 2026 in der Schweiz einen Neubau plant, sollte ihn ohne Diskussion einsetzen.
Ein Haus, das aus rezykliertem Beton entsteht, ist mehr als ein Bauwerk. Es ist ein Baustein einer Kreislaufwirtschaft, die die Ressourcen der Zukunft bewahrt.
Mein Rat aus 20 Jahren Praxis am Bodensee: Fixieren Sie RC-Beton in der Ausschreibung, wählen Sie CO2-optimierte Zemente wie CEM II/B-LL oder CEM III/B, prüfen Sie CO2-angereicherten Beton bei grösseren Volumen. Wer diese drei Regeln beachtet, baut ein Haus, das die Ökobilanz seiner Zeit anerkennt. Mehr zum kombinierten Denken von Konstruktion und Nachhaltigkeit finden Sie in meinem Beitrag zum Holzbau im Wohnbau.
Über den Autor
Daniel Dalla Corte ist Architekt und Gründer der Dalla Corte Architects GmbH in Ermatingen am Bodensee. Das Büro ist seit 2006 auf nachhaltige Bauplanung, kreislauffähige Materialwahl und Bauplanung für Wohn- und Gewerbebauten in der Ostschweiz spezialisiert.
Rechtlicher Hinweis: Alle Preis- und Zahlenangaben sind Richtwerte 2026. Konkrete Preise variieren nach Werk, Rezeptur und Marktlage. Für Ihr Projekt kontaktieren Sie ein Betonwerk direkt.

