Mehrgenerationenhaus Architektur

Daniel Dalla Corte • 12. Januar 2026

So planen Sie generationenübergreifendes Wohnen in der Schweiz


Ein Mehrgenerationenhaus vereint mehrere Generationen unter einem Dach und ermöglicht ein Zusammenleben mit gegenseitiger Unterstützung bei gleichzeitiger Wahrung der Privatsphäre. Die Mehrgenerationenhaus Architektur schafft separate Wohneinheiten mit Gemeinschaftsbereichen, die den intergenerationalen Austausch fördern und flexible Nutzung über verschiedene Lebensphasen ermöglichen.

In der Schweiz erfreut sich das Mehrgenerationenwohnen wachsender Beliebtheit. Projekte wie die Giesserei in Winterthur mit über 140 Wohnungen oder das Hunziker Areal in Zürich zeigen, wie moderne Architektur generationenübergreifendes Wohnen erfolgreich umsetzt.

Ob Sie mit Ihren Eltern, Grosseltern oder einer Gemeinschaft unterschiedlicher Altersgruppen zusammenleben möchten: Die richtige architektonische Planung entscheidet über den Erfolg dieses Wohnkonzepts.


Vorteile der Mehrgenerationenhaus Architektur

Die architektonische Gestaltung eines Generationenhauses bietet zahlreiche Vorteile, die weit über das reine Zusammenwohnen hinausgehen. Eine durchdachte Innenarchitektur im Bauprozess berücksichtigt die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Bewohner von Anfang an.

•     Kosteneffizienz: Geteilte Bau- und Betriebskosten durch gemeinsame Haustechnik und zentrale Heizung

•     Gegenseitige Unterstützung: Kinderbetreuung und Alltagshilfe im Alter werden durch kurze Wege und Sichtverbindungen erleichtert

•     Flächeneffizienz: Optimale Grundstücksnutzung durch Gemeinschaftsräume statt mehrfacher Einzelräume

•     Zukunftssicherheit: Anpassbar an veränderte Lebensumstände durch flexible Grundrisse und barrierefreie Planung

•     Soziale Einbindung: Vermeidung von Isolation im Alter durch Begegnungszonen und offene Gemeinschaftsbereiche


Wie plant man ein Mehrgenerationenhaus?

Die Planung eines Mehrgenerationenhauses erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Architekt und allen zukünftigen Bewohnern. Folgende Aspekte sind entscheidend:


Bedarfsanalyse und Kommunikation

Vor dem ersten Entwurf müssen alle Beteiligten ihre Wünsche und Bedürfnisse formulieren. Zentrale Fragen dabei sind: Wie viel Privatsphäre benötigt jede Partei? Welche Räume sollen gemeinsam genutzt werden? Gibt es besondere Anforderungen an Barrierefreiheit?


Grundrisskonzepte für Mehrgenerationenhäuser

Die Architektur bietet verschiedene Lösungsansätze für generationenübergreifendes Wohnen:

•     Vertikale Aufteilung: Jede Generation bewohnt ein Stockwerk. Ältere Bewohner im barrierefreien Erdgeschoss, Familien in den oberen Etagen.

•     Horizontale Aufteilung: Nebeneinander liegende Wohneinheiten mit gemeinsamer Erschliessung. Ideal für ebenerdige Zugänge.

•     Anbau-Lösung: Erweiterung eines bestehenden Gebäudes um eine separate Wohneinheit mit eigenem Eingang.

•     Einliegerwohnung: Integration einer kleineren Wohnung in ein Einfamilienhaus für Grosseltern oder erwachsene Kinder.


Bei der Grundrissgestaltung spielen Proportionen und Geometrie eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden aller Bewohner.


Zonierung: Privat und Gemeinschaftlich

Ein gelungenes Mehrgenerationenhaus definiert klare Zonen:

•     Private Bereiche: Schlafzimmer, eigene Bäder, persönliche Rückzugsräume

•     Halböffentliche Bereiche: Wohnküchen innerhalb der Wohneinheiten

•     Gemeinschaftsbereiche: Grosse Küche, Wohnzimmer, Garten, eventuell Gästezimmer


Barrierefreiheit als architektonisches Grundprinzip

Barrierefreies Bauen ist bei Mehrgenerationenhäusern unverzichtbar. Es ermöglicht nicht nur älteren Bewohnern ein selbstständiges Leben, sondern erhöht auch für Familien mit kleinen Kindern den Wohnkomfort.


Wichtige barrierefreie Elemente

•     Schwellenlose Übergänge im gesamten Erdgeschoss

•     Türbreiten von mindestens 90 cm

•     Bodengleiche Duschen in allen Bädern

•     Bewegungsflächen für Rollstuhlnutzung

•     Handläufe und Haltegriffe an strategischen Stellen

•     Aufzug oder vorbereiteter Schacht für späteren Einbau


In der Schweiz orientieren sich die Vorgaben an der SIA-Norm 500 «Hindernisfreie Bauten». Ein erfahrener Architekt berücksichtigt diese Anforderungen bereits in der frühen Planungsphase.


Was kostet ein Mehrgenerationenhaus in der Schweiz?

Die Baukosten variieren je nach Grösse, Ausstattung und Region erheblich. Als Orientierung können folgende Richtwerte dienen:

•     Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung (180-220 m²): CHF 900'000 bis 1'200'000

•     Zweifamilienhaus (250-320 m²): CHF 1'200'000 bis 1'600'000

•     Dreigenerationenhaus (350-450 m²): CHF 1'600'000 bis 2'200'000


Ein wesentlicher Kostenvorteil: Die Ausgaben werden auf mehrere Parteien verteilt. Gemeinsame Haustechnik, ein geteiltes Grundstück und zentrale Infrastruktur reduzieren die Pro-Kopf-Kosten deutlich gegenüber separaten Wohnungen oder Häusern.


Nachhaltige Materialien für zukunftsfähiges Wohnen

Die Wahl der Baumaterialien beeinflusst Wohnqualität, Energieeffizienz und Langlebigkeit eines Mehrgenerationenhauses. Neue Materialien in der Bauindustrie bieten innovative Lösungen für nachhaltiges Bauen.


Empfehlenswerte Materialien

•     Holz: Nachwachsend, gutes Raumklima, hohe Wärmedämmung

•     Lehm: Feuchtigkeitsregulierend, schadstoffabsorbierend

•     Naturstein: Langlebig, wärmespeichernd, regional verfügbar

•     Recycling-Beton: Reduzierter CO₂-Fussabdruck



Besonders Holzbauten erfreuen sich in der Schweiz bei Mehrgenerationenhäusern grosser Beliebtheit. Sie verbinden ökologische Bauweise mit behaglichem Wohnklima und lassen sich flexibel an verschiedene Grundrisslösungen anpassen.

Rechtliche Aspekte beim Mehrgenerationenhaus


Vor Baubeginn sollten alle rechtlichen Fragen geklärt werden:

Eigentumsverhältnisse

•     Stockwerkeigentum für separate Wohneinheiten

•     Miteigentum mit definierten Nutzungsrechten

•     Mietverhältnis zwischen Familienmitgliedern


Erbrecht und Vorsorge

Klären Sie frühzeitig mit einem Notar, wie die Eigentumsverhältnisse im Erbfall geregelt werden. Besonders wenn mehrere Erben existieren, die nicht im Haus wohnen, sind klare Vereinbarungen wichtig.


Baubewilligung

Je nach Kanton gelten unterschiedliche Vorschriften für Mehrfamilienhäuser. Prüfen Sie den Bebauungsplan und klären Sie, ob separate Wohneinheiten auf Ihrem Grundstück zulässig sind.


Schweizer Vorzeigeprojekte

Die Schweiz verfügt über zahlreiche beispielhafte Mehrgenerationenprojekte:

•     Giesserei Winterthur:  Über 140 Wohnungen in Selbstverwaltung, vielfältige Gemeinschaftsräume

•     Hunziker Areal Zürich:  Genossenschaftliches Wohnen mit innovativen Grundrissen

•     Käpfnach Horgen:  Mehrgenerationensiedlung mit Fokus auf Altersdurchmischung

•     wohnenplus Steffisburg:  Partizipatives und nachhaltiges Wohnen


Diese Projekte zeigen, dass Mehrgenerationenwohnen in verschiedenen Massstäben funktioniert – vom privaten Familienhaus bis zur grossen Siedlung.


Tipps für die erfolgreiche Umsetzung

1.   Frühzeitig kommunizieren:  Besprechen Sie alle Erwartungen und Bedenken vor der Planung

2.   Flexibilität einplanen:  Grundrisse sollten spätere Anpassungen ermöglichen

3.   Schallschutz priorisieren:  Gute Schalldämmung zwischen den Wohneinheiten ist essentiell

4.   Separate Eingänge vorsehen:  Unabhängige Zugänge erhöhen die Privatsphäre

5.   Gemeinschaftsregeln festlegen:  Klare Vereinbarungen zu Nutzung, Kosten und Verantwortlichkeiten

6.   Erfahrenen Architekten wählen:  Spezialisierung auf Mehrgenerationenprojekte ist von Vorteil


💡 Tipp:  Ein Mehrgenerationenhaus ist ein langfristiges Projekt, das sorgfältige Planung erfordert. Ein erfahrenes Architekturbüro unterstützt Sie von der ersten Idee bis zur Schlüsselübergabe.

👉 Kontaktieren Sie Dalla Corte Architects für eine unverbindliche Beratung: www.dallacorte.ch/kontakt




Häufig gestellte Fragen (FAQ)


Was ist der Unterschied zwischen Mehrgenerationenhaus und Mehrfamilienhaus?

Ein Mehrgenerationenhaus ist auf das Zusammenleben verschiedener Generationen ausgerichtet und umfasst typischerweise Gemeinschaftsbereiche. Ein Mehrfamilienhaus bezeichnet lediglich ein Gebäude mit mindestens drei Wohneinheiten ohne spezifisches Wohnkonzept.


Wie gross sollte ein Mehrgenerationenhaus mindestens sein?

Für zwei Wohneinheiten empfehlen sich mindestens 180-220 m² Wohnfläche. Pro zusätzlicher Wohneinheit sollten etwa 60-80 m² eingeplant werden, plus Gemeinschaftsflächen von 20-40 m².


Welche Förderungen gibt es in der Schweiz für Mehrgenerationenhäuser?

In der Schweiz existieren keine spezifischen Bundesförderungen für Mehrgenerationenhäuser. Allerdings können Förderungen für energieeffizientes Bauen, barrierefreie Umbauten oder genossenschaftliche Wohnprojekte beantragt werden. Die Kantone bieten teilweise eigene Programme an.


Kann man ein bestehendes Haus zum Mehrgenerationenhaus umbauen?

Ja, viele bestehende Gebäude lassen sich zum Mehrgenerationenhaus umbauen. Typische Massnahmen sind der Einbau einer Einliegerwohnung, die Aufstockung oder ein Anbau. Ein Architekt prüft die baulichen Möglichkeiten und erforderlichen Genehmigungen.


Wie regelt man die Finanzen bei einem Mehrgenerationenhaus?

Es gibt verschiedene Modelle: Gemeinsame Hypothek mit definierten Anteilen, separate Finanzierungen für einzelne Wohneinheiten oder eine Kombination. Wichtig ist eine klare vertragliche Regelung aller finanziellen Verpflichtungen und Eigentumsanteile.


Fazit

Die Mehrgenerationenhaus Architektur bietet eine zukunftsweisende Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen wie den demografischen Wandel und steigende Wohnkosten. Mit der richtigen Planung entsteht ein Zuhause, das Gemeinschaft fördert, Kosten teilt und sich flexibel an verschiedene Lebensphasen anpasst.

Ein erfahrenes Architekturbüro unterstützt Sie dabei, die individuellen Bedürfnisse aller Generationen in ein stimmiges Gesamtkonzept zu übersetzen – von der ersten Skizze bis zum bezugsfertigen Haus.