Dämmstoffe im Vergleich

Daniel Dalla Corte • 14. August 2026

Dämmstoffe im Vergleich: Von Steinwolle bis Hanf


Lesezeit: ca. 11 Minuten  |  Stand: 14. August 2026  |  Von Daniel Dalla Corte


Dämmmaterialien unterscheiden sich in Lambda-Wert (Isolierwirkung), Brandschutzklasse, Ökobilanz und Preis. Für die Fassade im WDVS dominiert EPS (Styropor), für höhere Brandschutzanforderungen Steinwolle. Naturdämmstoffe wie Holzfaser oder Zellulose bieten die beste Ökobilanz und den besten sommerlichen Wärmeschutz. In der Schweiz beträgt die gesetzliche Mindest-Dämmstärke bei EPS und Steinwolle 18 bis 24 Zentimeter, bei Zellulose und Holzfaser 20 bis 26 Zentimeter. Für Minergie steigen die Werte auf 26 bis 36 Zentimeter. Von Architekt Daniel Dalla Corte, Ermatingen.


Das Wichtigste in Kürze

  • Lambda-Wert ist die wichtigste Kennzahl: je niedriger, desto besser die Dämmwirkung. EPS und Mineralwolle liegen bei 0,032 bis 0,040 W/mK, Naturdämmstoffe bei 0,038 bis 0,045 W/mK.
  • Gesetzliche Mindest-Dämmstärken für die Aussenwand (CH): 18 bis 24 cm für EPS/Steinwolle, 20 bis 26 cm für Zellulose/Holzfaser.
  • Minergie-Standard: 26 bis 36 cm je nach Material und Bauteil.
  • Brandschutz: Steinwolle, Glaswolle und Schaumglas sind als einzige nicht brennbar (Klasse A1).
  • Sommerlicher Wärmeschutz: Holzfaser bietet die längste Phasenverschiebung (10 bis 14 Stunden).
  • Dünnster Aufbau bei Platzmangel: PUR/PIR mit Lambda 0,024 bis 0,028 W/mK.
  • Beste Ökobilanz: Zellulose, Holzfaser und Hanf ,  alle aus nachwachsenden Rohstoffen und regional verfügbar.
  • Kosten (Material pro Quadratmeter bei 14-16 cm): EPS 12 bis 22 CHF, Steinwolle 15 bis 25 CHF, Holzfaser 30 bis 60 CHF, Hanf 35 bis 60 CHF.


Ein Haus zu dämmen ist nicht nur eine Frage der Zentimeter. Es ist eine Frage des richtigen Materials für den richtigen Ort. Wer die Wahl falsch trifft, spart nichts ,  er baut nur einen anderen Fehler ein.

Ein Haus zu dämmen ist wie ein Mantel zu wählen. Er muss zum Körper passen, zum Wetter, zum Weg.

In diesem Beitrag zeige ich, welche Dämmmaterialien in der Schweiz 2026 verfügbar sind, wo sie ihre Stärken haben, was sie kosten und wie Sie die richtige Wahl für Ihr Projekt treffen. Mit konkreten Zahlen und meiner Erfahrung aus 20 Jahren Praxis am Bodensee.


Welche Kennzahlen entscheiden über ein Dämmmaterial?

Bevor Sie sich für ein Material entscheiden, sollten Sie fünf Kennzahlen kennen. Sie beschreiben, was ein Dämmstoff kann und wo seine Grenzen liegen.


1. Lambda-Wert (W/mK). Die Wärmeleitfähigkeit. Je niedriger, desto besser dämmt das Material. Ein Lambda-Wert von 0,032 bedeutet, dass pro Meter Materialstärke 0,032 Watt Wärme pro Kelvin Temperaturdifferenz durchgelassen wird.

2. Brandschutzklasse. A1 = nicht brennbar (Steinwolle, Glaswolle, Schaumglas). B1 = schwer entflammbar (Holzfaser mit Zusätzen, Zellulose mit Borsalzen). B2 = normal entflammbar (Hanf, EPS, PUR). Kritisch bei mehrgeschossigen Bauten und Fassaden.

3. Phasenverschiebung. Wie lange braucht die Wärme, bis sie durch das Dämmmaterial vom Aussen ins Innere gelangt. Wichtig für den sommerlichen Wärmeschutz. Holzfaser bietet 10 bis 14 Stunden, EPS nur 3 bis 5 Stunden.

4. Diffusionsoffenheit. Wie gut kann Wasserdampf durch das Material wandern. Wichtig bei Innendämmungen und bei feuchten Bauteilen. Naturdämmstoffe sind meist diffusionsoffen, EPS und PUR eher diffusionsdicht.

5. Primärenergieinhalt. Wieviel Energie war für die Herstellung nötig. EPS und PUR haben hohe Primärenergiewerte (fossile Ausgangsstoffe), Zellulose und Holzfaser niedrige.


Meine Empfehlung: Kennen Sie diese fünf Werte für Ihr geplantes Material, bevor Sie eine Offerte einholen. Sie schützen sich vor einem unpassenden Produkt und Sie erkennen, wo der Handwerker nur den billigsten Standardaufbau anbietet. Mehr zur Materialwahl im Allgemeinen finden Sie in meinem Beitrag zur Fassadensanierung.


Mineralische Dämmstoffe dominieren den Schweizer Markt

Mineralische Dämmstoffe: Steinwolle, Glaswolle, Schaumglas

Mineralische Dämmstoffe dominieren den Schweizer Markt. Der Sager-Ratgeber nennt die zentralen Kenndaten für die Ostschweiz.


Steinwolle. Aus Basalt, Diabas oder Kalkstein hergestellt. Lambda-Wert 0,032 bis 0,040 W/mK. Brandschutz A1 (nicht brennbar). Ausgezeichnete Schalldämmung. In der Schweiz gesetzliche Dämmstärke Aussenwand 18 bis 24 cm, Minergie 26 bis 32 cm. Materialpreis CHF 15 bis 25 pro Quadratmeter bei 14 cm. Der Klassiker für Fassaden ab drei Geschossen.

Glaswolle. Aus recyceltem Altglas und Sand. Lambda-Wert 0,032 bis 0,040 W/mK. Brandschutz A1. Ähnliche Eigenschaften wie Steinwolle, etwas günstiger. Dämmstärke identisch zu Steinwolle. Materialpreis CHF 12 bis 20 pro Quadratmeter. Für Zwischensparren- und Kellerdeckendämmung häufig verwendet.

Schaumglas. Aus recyceltem Glas hergestellt, geschäumt. Lambda-Wert 0,038 bis 0,050 W/mK. Absolut wasserdicht und druckfest. Brandschutz A1. Ideal für Perimeterdämmung im erdberührten Bereich. Materialpreis mit CHF 50 bis 80 pro Quadratmeter am teuersten. Verwendung nur für Spezialanwendungen wie druckbelastete Bereiche unter der Bodenplatte.


Mineralische Dämmstoffe sind aus meiner Praxis die richtige Wahl bei drei Konstellationen: bei Mehrfamilienhäusern mit erhöhten Brandschutzanforderungen, bei sichtbaren Anschlüssen an nichtbrennbare Bauteile und bei stark schallbelasteten Umgebungen. Die Ökobilanz ist durchschnittlich, aber die Robustheit gross. Mehr zu Brandschutzanforderungen in meinem Beitrag zum Brandschutz im Wohnbau.


Synthetische Dämmstoffe: EPS, XPS, PUR/PIR

Synthetische Dämmstoffe basieren auf Erdöl. Sie sind meist am günstigsten, haben aber die schlechteste Ökobilanz.


EPS (expandiertes Polystyrol, Styropor). Der Klassiker im WDVS. Lambda-Wert 0,032 bis 0,040 W/mK. Brandschutz B1 mit Zusätzen (bei EPS-Fassaden sind Brandriegel aus Mineralwolle gesetzlich vorgeschrieben). Materialpreis CHF 12 bis 22 pro Quadratmeter bei 14 cm. Einfach zu verarbeiten, günstig, aber nicht diffusionsoffen.

XPS (extrudiertes Polystyrol). Wasserfest und druckstabil. Lambda-Wert 0,032 bis 0,036 W/mK. Ideal für Perimeterdämmung, Flachdächer und druckbelastete Bereiche. Materialpreis CHF 20 bis 40 pro Quadratmeter. Schlechte Ökobilanz (fossile Rohstoffe).

PUR/PIR (Polyurethan). Die Stärke: der dünnste Aufbau. Lambda-Wert 0,024 bis 0,028 W/mK. Wo Steinwolle 14 cm braucht, reichen 9 cm PIR. Perfekt bei Platzmangel: Aufsparrendämmung, Flachdach, Fussbodendämmung. Materialpreis CHF 30 bis 60 pro Quadratmeter. PIR (weiterentwickelt) hat besseren Brandschutz als PUR.


Synthetische Dämmstoffe sind aus meiner Praxis bei drei Konstellationen berechtigt: wenn der Platz begrenzt ist (PIR im Flachdach), wenn das Material feuchtebeständig sein muss (XPS im erdberührten Bereich), oder wenn die Kosten wirklich das entscheidende Kriterium sind. Für alles andere gibt es meist bessere Alternativen. Details zur Anwendung im Fassadenkontext finden Sie in meinem separaten Beitrag zur Fassadensanierung.


Ein Dämmstoff aus Erdöl hilft dem Haus, weniger Energie zu verbrauchen. Das ist nicht nichts. Aber es ist nicht viel.


Naturdämmstoffe: Zellulose, Holzfaser, Hanf, Schafwolle

Naturdämmstoffe haben in der Schweiz einen wachsenden Marktanteil. In Deutschland liegen sie bereits bei rund 9 Prozent, mit Holzfaser (58 bis 60 Prozent) und Zellulose (30 bis 32 Prozent) als dominierenden Materialien.


Zellulose. Aus recyceltem Altpapier, mit Borsalzen behandelt (schimmelfest, ungezieferbeständig, schwer entflammbar B1). Lambda-Wert 0,040 bis 0,045 W/mK. Als Einblasdämmung für Hohlräume ideal. In der Schweiz Dämmstärke 20 bis 26 cm gesetzlich, 28 bis 34 cm Minergie. Materialpreis CHF 10 bis 20 pro Quadratmeter (inkl. Einblasen). Die ökologischste Lösung für Sparrendämmung und Zwischenräume.

Holzweichfaser. Aus Sägeresten und schwachem Holz hergestellt. Lambda-Wert 0,038 bis 0,045 W/mK. Beste sommerliche Wärmedämmung (Phasenverschiebung 10 bis 14 Stunden). Brandschutz B1 mit Zusätzen. Als Platte, Matte, Einblas- oder Aufsparrendämmung verfügbar. Materialpreis CHF 30 bis 60 pro Quadratmeter. Ideal für Dachausbauten, WDVS im Naturbau und diffusionsoffene Aufbauten.

Hanf. Aus Nutzhanf-Fasern. Lambda-Wert 0,038 bis 0,042 W/mK. Brandschutz B2. Hautfreundlich (keine Reizungen wie bei Mineralwolle) ,  ideal für Selbstverleger. Guter Feuchtigkeitsausgleich. Als Matten, Platten oder Stopfwolle verfügbar. Materialpreis CHF 35 bis 60 pro Quadratmeter. Für Zwischensparrendämmung und Innendämmung.

Schafwolle. Aus behandelter Rohwolle. Lambda-Wert 0,035 bis 0,045 W/mK. Kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben (bis 33 Prozent des Eigengewichts) ohne Dämmwirkung zu verlieren. Brandschutz B2. Materialpreis CHF 45 bis 80 pro Quadratmeter. Nischenprodukt, aber ökologisch überzeugend.


Naturdämmstoffe sind meine erste Wahl bei drei Konstellationen: bei diffusionsoffenen Aufbauten (Innendämmung, Dachausbau), bei bewohnten Dachgeschossen mit Hitzeschutzbedarf und bei Bauherren mit ökologischem Anspruch. Der Aufpreis von 20 bis 40 Prozent gegenüber EPS ist bei den kleinen Mengen im Einfamilienhaus vertretbar. Mehr zur ökologischen Bauweise finden Sie in meinem Beitrag zum Holzbau im Wohnbau.


Sonder-Dämmstoffe: Kork, VIP, Aerogel

Für besondere Anwendungen gibt es Sonder-Dämmstoffe. Sie sind teurer, lösen aber Situationen, in denen Standard-Materialien nicht funktionieren.


Kork. Aus der Rinde von Korkeichen. Lambda-Wert 0,040 W/mK. Natürlich, diffusionsoffen, langlebig. Als sichtbare Fassadenbekleidung möglich. Brandschutz B2. Materialpreis CHF 60 bis 120 pro Quadratmeter ,  mit Abstand die teuerste naturökologische Option. Verwendung meist bei anspruchsvollen Naturbau-Projekten oder als Fassaden-Sichtebene.

VIP (Vakuumisolationspaneele). Sehr dünn und sehr teuer. Lambda-Wert 0,004 bis 0,008 W/mK ,  ein Vielfaches besser als alle anderen Materialien. Ein 3 cm VIP-Paneel entspricht dämmtechnisch etwa 20 cm Steinwolle. Materialpreis CHF 200 bis 400 pro Quadratmeter. Nur bei extremer Platznot einsetzbar: bei Denkmalgebäuden mit engen Grenzabständen, bei Balkonisolierung, bei Fensterlaibungen.

Aerogel. Auf Silica-Basis, extrem porös. Lambda-Wert 0,013 bis 0,018 W/mK. Auch bei sehr geringer Stärke sehr wirksam. Materialpreis CHF 150 bis 350 pro Quadratmeter. Verwendung meist für Sanierungen im Denkmalschutzbereich, wo weder Aussen- noch Innendämmung möglich ist.


Sonder-Dämmstoffe kommen aus meiner Praxis nur bei genau definierten Situationen zum Einsatz. Für den Standardfall Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus sind sie zu teuer. Bei denkmalgeschützten Objekten oder eng eingeklemmten Bauten sind sie manchmal die einzige Möglichkeit. Mehr zur Sanierung im denkmalgeschützten Kontext finden Sie in meinem Beitrag zum Denkmalschutz und Bauen.


Welches Material passt zu welchem Bauteil?

Die Wahl des Dämmmaterials hängt vor allem vom Einsatzbereich ab. Aus 20 Jahren Praxis kenne ich sechs typische Konstellationen mit klaren Empfehlungen.


Aussenwand-Dämmung (WDVS). Standard: EPS (günstig, einfach). Erhöhter Brandschutz: Steinwolle. Ökologischer Anspruch: Holzfaser. Denkmalobjekt oder Innen-Dämmung: kapillaraktive Holzfaser oder Kalziumsilikat.

Dachdämmung Aufsparren. Bei genug Platz: Holzfaser oder PUR/PIR. Bei knappem Platz: PIR (dünnster Aufbau). Für wohngesundes Klima: Holzfaser mit Deckplatte.

Dachdämmung Zwischen- und Untersparren. Standard: Steinwolle oder Zellulose (Einblas). Ökologischer Anspruch: Zellulose oder Holzweichfaser. Selbstverleger: Hanf oder Schafwolle (hautfreundlich).

Kellerdeckendämmung. Standard: EPS oder Mineralwolle als Platte. Bei Feuchtigkeitsrisiko: Schaumglas. Meist unter der Decke aufgeklebt, gut selbst zu erledigen.

Perimeter-Dämmung (erdberührt). Standard: XPS oder Schaumglas. Diese Materialien müssen wasserresistent und druckstabil sein, was Naturdämmstoffe nicht leisten können.

Fussbodendämmung unter Estrich. Standard: EPS oder PUR/PIR. Bei hoher Belastung: XPS. Bei diffusionsoffenem Wunsch: Holzfaserplatten unter dem Estrich, kombiniert mit Trittschalldämmung.


Wichtig zu wissen: Für die meisten Bauprojekte in der Schweiz reicht der Standard-Aufbau vollständig aus. Sonderlösungen sind selten. Wichtiger als das teuerste Material ist die korrekte Stärke und die lückenlose Verlegung. Details zur Fassade in meinem separaten Beitrag zur Fassadensanierung.


Ein Dämmmaterial richtig gewählt ist wie ein Schuh richtig ausgesucht: Er sitzt, bevor man es merkt.


Praxisbeispiel: EFH-Sanierung mit vier Dämmmaterialien

Ein Bauherrenpaar in Steckborn saniert 2026 sein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1978. Ziel: Minergie-Standard. Vier verschiedene Bauteile, vier verschiedene Dämmmaterialien.


Bauteile und Materialwahl

  • Aussenwand-Dämmung (150 m²): Holzweichfaser 26 cm, WDVS mit Mineralputz ,  CHF 45’000
  • Dachdämmung Sparren (110 m²): Zellulose Einblas 32 cm ,  CHF 12’000
  • Kellerdeckendämmung (75 m²): EPS-Platten 12 cm, unter der Decke ,  CHF 4’000
  • Perimeterdämmung (35 m², erdberührt): XPS 12 cm ,  CHF 3’200


Kostenzusammenfassung

  • Materialkosten total: CHF 64’200
  • Handwerkskosten Verlegung: CHF 22’000
  • Gerüst, Bauleitung, Detaillierung: CHF 18’000
  • Puffer 15 %: CHF 15’600
  • Gesamtbudget: CHF 119’800


Förderung und Steuerabzug

  • Gebäudeprogramm Aussenwand: CHF 12’000
  • Gebäudeprogramm Dach: CHF 7’700
  • Steuerabzug (Kanton Thurgau, GS 30 %): CHF 30’000
  • Netto-Investition: CHF 70’100


Das Beispiel zeigt: Für jeden Bauteil ist ein anderes Dämmmaterial optimal. Wer alles mit dem gleichen Material dämmt, macht meistens einen Kompromiss. Wer klug wählt, holt jedem Bauteil das Optimum heraus. Mehr zur Fassadensanierung im Detail.


Welche Fehler machen Bauherren bei der Dämmmaterial-Wahl?

Aus meiner Praxis kenne ich sechs Wiederholungsfehler, die Bauherren Zehntausende Franken kosten oder zu schlechten Ergebnissen führen.


1. Nur nach dem Preis entscheiden. Der Materialpreis macht nur 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Wer beim Material CHF 2’000 spart, aber dafür auf schlechtere Dämmwirkung oder kürzere Lebensdauer setzt, zahlt über die Jahre mehr.

2. Alle Bauteile gleich dämmen. Fassade, Dach, Keller haben unterschiedliche Anforderungen. Ein Universal-Material gibt es nicht. Wer alles mit EPS dämmt, macht Kompromisse. Wer alles mit Holzfaser dämmt, zahlt zu viel im Keller.

3. Sommerhitze unterschätzen. In bewohnten Dachgeschossen wird es im Sommer schnell 30 Grad und mehr. EPS dämmt im Winter, aber es schafft keine Phasenverschiebung. Holzfaser oder Zellulose bieten hier den Unterschied.

4. Diffusionsoffenheit vernachlässigen. Innendämmung mit EPS führt zu Feuchtigkeitsproblemen an der Aussenseite. Wer innen dämmt, braucht diffusionsoffene Materialien oder ein bauphysikalisch geplantes Kapillar-System.

5. Brandschutz nicht beachten. Bei EPS-Fassaden sind Brandriegel aus Mineralwolle gesetzlich vorgeschrieben. Bei höheren Gebäuden gibt es weitere Auflagen. Wer die Brandschutzanforderung nicht kennt, verliert die Baubewilligung.

6. Dämmstärke unter Minergie wählen. Nur die gesetzliche Mindeststärke zu wählen, spart heute wenig und kostet morgen viel. Der Aufpreis für 5 cm mehr Steinwolle liegt bei CHF 15 pro Quadratmeter. Die zusätzliche Heizkostenersparnis amortisiert das oft in 10 Jahren.


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Welches Dämmmaterial ist das beste?

Häufig gestellte Fragen


Welches Dämmmaterial ist das beste?

Es gibt kein universelles ‚bestes‘ Material. Jedes hat Stärken und Schwächen: EPS ist günstig, Steinwolle brandsicher, Holzfaser sommerlich wärmedämmend, Zellulose ökologisch, PIR platzsparend. Die richtige Wahl hängt vom Bauteil, den Anforderungen und dem Budget ab.


Was ist ein guter Lambda-Wert?

Je niedriger der Lambda-Wert, desto besser dämmt das Material. Ausgezeichnet: 0,020 bis 0,028 W/mK (PIR, VIP). Sehr gut: 0,030 bis 0,036 W/mK (EPS, Steinwolle). Gut: 0,038 bis 0,045 W/mK (Naturdämmstoffe). Der Unterschied wird durch mehr Materialstärke ausgeglichen.


Welche Dämmstärke ist in der Schweiz vorgeschrieben?

Für die Aussenwand: 18 bis 24 cm bei EPS/Steinwolle, 20 bis 26 cm bei Zellulose/Holzfaser. Für Minergie: 26 bis 36 cm je nach Material. Die konkreten Vorgaben stehen im kantonalen Energiegesetz und werden über den geforderten U-Wert definiert (meist unter 0,20 W/(m²K)).


Welches Material schlägt die Sommerhitze am besten?

Holzweichfaser mit einer Phasenverschiebung von 10 bis 14 Stunden. EPS und Mineralwolle bieten nur 3 bis 5 Stunden. Für bewohnte Dachgeschosse ist Holzfaser der klare Sieger.


Sind Naturdämmstoffe wirklich besser fürs Klima?

Ja, deutlich. Die Primärenergiewerte sind bei Zellulose und Holzfaser rund 5 bis 10 Mal niedriger als bei EPS oder PUR. Über die Lebensdauer betrachtet, wo alle Dämmstoffe ein Vielfaches ihrer Herstellungsenergie einsparen, ist der Unterschied aber kleiner als oft angenommen. Wichtiger als das perfekte Material ist, dass überhaupt gedämmt wird.


Sind Naturdämmstoffe brandsicher?

Meist ja. Holzfaser und Zellulose erreichen mit Zusätzen die Brandschutzklasse B1 (schwer entflammbar). Hanf und Schafwolle sind B2 (normal entflammbar). Nur Mineralwolle und Schaumglas erreichen Klasse A1 (nicht brennbar). Bei Standard-Wohnbauten reichen B1-Materialien in der Regel aus.


Was kostet ein Dämmmaterial im Vergleich?

Materialpreis pro Quadratmeter bei 14 bis 16 cm Dicke: EPS CHF 12 bis 22, Steinwolle CHF 15 bis 25, Zellulose CHF 10 bis 20 (inkl. Einblasen), Holzfaser CHF 30 bis 60, Hanf CHF 35 bis 60, Schaumglas CHF 50 bis 80. Der Aufpreis für Naturdämmstoffe liegt bei 20 bis 60 Prozent gegenüber EPS.


Kann ich mehrere Materialien in einem Projekt kombinieren?

Ja, das ist meist die klügste Lösung. Jeder Bauteil hat andere Anforderungen: Fassade EPS oder Holzfaser, Dach Zellulose oder Holzfaser, Keller EPS oder Schaumglas, Perimeter XPS. So holen Sie aus jedem Bauteil das Optimum heraus.


Fazit

Die Wahl des richtigen Dämmmaterials ist keine Glaubensfrage, sondern eine technische Entscheidung mit klaren Regeln. Für jeden Bauteil gibt es ein optimales Material. Für jeden Anspruch gibt es die passende Ökobilanz. Und für jedes Budget gibt es eine sinnvolle Lösung.

Ein Haus ist so warm wie sein schlechtester Bauteil. Und so ökologisch wie sein dümmstes Dämmmaterial.


Mein Rat aus 20 Jahren Praxis am Bodensee: Investieren Sie CHF 1’500 bis 3’000 in eine ganzheitliche Dämmstrategie, bevor Sie sich für Materialien entscheiden. Ein GEAK Plus oder eine unabhängige Beratung ist die Grundlage. Wer diese Investition ernst nimmt, spart bei jedem Bauteil die richtigen Prozente und hat am Ende ein Haus, das ganzheitlich funktioniert. Mehr zur strategischen Sanierungsplanung finden Sie in meinem Beitrag zur Fassadensanierung.


Über den Autor

Daniel Dalla Corte ist Architekt und Gründer der Dalla Corte Architects GmbH in Ermatingen am Bodensee. Das Büro ist seit 2006 auf nachhaltige Bauplanung, energetische Sanierungen und diffusionsoffene Materialaufbauten für Wohn- und Gewerbebauten in der Ostschweiz spezialisiert.


Rechtlicher Hinweis: Alle Preis- und Zahlenangaben sind Richtwerte 2026 für die Schweiz. Konkrete Preise variieren je nach Anbieter, Ausführung, Menge und Marktlage. Für Ihr Projekt kontaktieren Sie einen Energieberater oder einen Architekten.