Das Ego baut gerne gross.
Und warum das, was wir suchen, oft nicht auf dem Grundriss steht.
Es gibt einen Satz, der in Planungsgesprächen erstaunlich oft fällt:
„Wenn wir schon bauen, dann richtig.“
Ich mag diesen Satz.
Er hat etwas Entschlossenes. Etwas Mutiges.
Und gleichzeitig ist er ein kleiner Türöffner.
Denn was genau bedeutet eigentlich „richtig“?
Ein grösseres Wohnzimmer?
Eine breitere Treppe?
Noch ein Zimmer?
Oder einfach das gute Gefühl, nichts vergessen zu haben?
Ich kenne das. Nicht nur aus meiner Arbeit.
Wer vor einer Entscheidung steht, möchte sich Möglichkeiten offenhalten.
Man bestellt die etwas grössere Portion.
Man kauft den etwas grösseren Koffer.
Und manchmal plant man eben auch das etwas grössere Haus.
Nicht weil man es zwingend braucht.
Sondern weil man es vielleicht irgendwann brauchen könnte.
Daran ist nichts falsch.
Interessant wird es erst, wenn man sich fragt, wonach man eigentlich sucht.
Denn erstaunlicherweise erinnern sich Menschen selten an zusätzliche Quadratmeter.
Niemand erzählt Jahre später von den zusätzlichen acht Quadratmetern.
Aber viele erinnern sich an den Platz am Fenster.
An den Küchentisch.
An den Ort, an dem man morgens als Erster das Licht sieht.
Es sind oft die kleinen Dinge, die bleiben.
Vielleicht ist es deshalb gar nicht so einfach, Häuser zu planen.
Weil wir dabei nicht nur Räume entwerfen.
Wir entwerfen Vorstellungen von Zukunft.
Wir planen für Kinder, die grösser werden.
Für Gäste, die vielleicht kommen.
Für Hobbys, die vielleicht beginnen.
Für Lebensphasen, die vielleicht eintreffen.
Und während wir all das tun, wächst der Plan manchmal ganz von allein.
Ein bisschen hier.
Ein bisschen dort.
Wie ein Koffer, in den man noch schnell etwas hineinlegt.
Bis irgendwann die Frage auftaucht:
Brauchen wir das wirklich?
Oder gefällt uns einfach der Gedanke daran?
Ich glaube, diese Frage lohnt sich.
Nicht weil kleiner immer besser wäre.
Und schon gar nicht, weil Bescheidenheit ein architektonisches Ziel sein müsste.
Sondern weil jedes Haus eine Geschichte erzählt.
Und manchmal erzählt die weggelassene Idee mehr als die gebaute.
Die schönsten Häuser, die ich kenne, wirken nicht deshalb gross, weil sie viele Quadratmeter haben.
Sie wirken gross, weil sie Klarheit besitzen.
Weil jemand den Mut hatte zu sagen:
„Das reicht.“
Ein kurzer Satz.
Und einer, der erstaunlich selten ausgesprochen wird.
Vielleicht ist genau das der Luxus, nach dem wir eigentlich suchen.
Wann haben Sie zuletzt festgestellt, dass weniger eigentlich genug gewesen wäre?
Ich freue mich auf Ihre Gedanken im Kommentarbereich.
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Daniel Dalla Corte
Dalla Corte Architects

