Wie Räume wirken

Die eigene Wahrnehmung ernst nehmen

Vielleicht fühlen Sie sich in einem Raum sofort wohl, können aber noch nicht sagen, warum. Diese Wahrnehmung ist eine wertvolle Planungsgrundlage, wenn sie genauer beschrieben wird.

Redaktion: Dalla Corte ArchitectsQuellenstand: 3 Min. Lesezeit

Was bemerken Sie tatsächlich?

Am Anfang bleiben wir bei konkreten Beobachtungen. Ist es das seitliche Licht, der Blick nach draussen, die ruhige Akustik oder eine vertraute Oberfläche? Vielleicht gefällt der Raum nur zu einer bestimmten Tageszeit. Je genauer Sie diese Situationen benennen, desto besser lassen sie sich im Gespräch über ein neues Zuhause verwenden.

Allgemeine Aussagen über die psychologische Wirkung einzelner Farben oder Proportionen helfen wenig, wenn daraus eine sichere Wirkung für alle Menschen abgeleitet wird. Bedürfnisse und Erinnerungen unterscheiden sich. Wir behandeln Ihre Wahrnehmung deshalb nicht als etwas, das ein Stilratgeber korrigieren müsste.

Welche Bedingungen trägt der Raum bei?

Raumhöhe, Licht, Material und Verbindung zu anderen Räumen lassen sich zeichnen und verändern. Ihre Wirkung entsteht im Zusammenspiel. Ein hoher Raum kann grosszügig erscheinen und zugleich akustisch unruhig sein. Ein kleiner Raum kann Rückzug bieten oder zu eng für die gewünschte Tätigkeit werden.

Für uns ist das ein Grund, Gebrauch und Atmosphäre zusammen zu besprechen. Baukultur lässt sich auch im Davos Qualitätssystem nicht auf eine einzelne Eigenschaft reduzieren. [1] Welche Gewichtung für Ihr Zuhause richtig ist, bleibt eine persönliche und architektonische Abwägung.

Wie lässt sich ein Eindruck prüfen?

Fotos, Notizen und Besuche vergleichbarer Räume helfen beim Austausch. Sie sind keine Garantie, dass sich derselbe Eindruck in einem anderen Haus wiederholt. Im Entwurf sollten darum Varianten mit ihren tatsächlichen Massen, Öffnungen und Nutzungen betrachtet werden.

Wenn es um technische Beschwerden wie Lärm, Blendung oder schlechte Luft geht, sind neben den Beobachtungen fachliche Untersuchungen nötig. Eine atmosphärische Beschreibung ersetzt keinen Nachweis und keine Diagnose.

Ein kleines Raumtagebuch

  • Drei angenehme und drei schwierige Alltagssituationen notieren.
  • Ort, Tageszeit und Tätigkeit ergänzen.
  • Licht, Geräusche, Blick und Oberflächen getrennt beschreiben.
  • Bilder mit eigenen Worten versehen, statt nur Stilbegriffe zu sammeln.
  • Technisch zu prüfende Probleme gesondert festhalten.

Wahrnehmung in Entwurf übersetzen

Wir möchten verstehen, welche räumlichen Erfahrungen Ihnen wichtig sind. Daraus kann eine präzise Aufgabe entstehen, ohne Wohlbefinden pauschal zu versprechen. Bringen Sie Ihre Beobachtungen mit; wir suchen gemeinsam nach den baulichen Bedingungen dahinter.

Quellen und Grundlagen

  1. Bundesamt für Kultur: Davos Qualitätssystem für Baukultur

Fragen zu Ihrem eigenen Vorhaben besprechen wir gerne persönlich.

Frage stellen