Warum wir nie ganz ankommen

Daniel Dalla Corte • 6. August 2026

Und weshalb das nächste Projekt selten das letzte ist.


Jede Zeit baut ihre eigenen Häuser.


Nicht, weil sie andere Baustoffe kennt.


Sondern weil sie anders lebt.


Wer heute durch unsere Dörfer und Städte geht, erkennt schnell, wie sehr sich unser Leben verändert hat. Wohnungen werden flexibler. Häuser anpassungsfähiger. Räume sollen heute vieles gleichzeitig sein. Wohnen und Arbeiten. Rückzugsort und Treffpunkt. Heute Kinderzimmer, morgen Büro.


Unsere Architektur hat gelernt, auf Veränderungen vorbereitet zu sein.


Das ist vernünftig.


Denn auch unsere Gesellschaft verändert sich schneller als je zuvor.


Berufe wandeln sich. Familien verändern ihre Formen. Lebenswege verlaufen selten noch geradeaus. Was gestern als dauerhaft galt, bleibt heute oft nur eine Etappe.


Vielleicht erklärt das auch, weshalb wir so selten das Gefühl haben, angekommen zu sein.


Nicht weil wir ständig etwas vermissen.


Sondern weil unsere Zeit uns lehrt, immer weiterzudenken.


Das nächste Ziel.


Das nächste Projekt.


Der nächste Schritt.


Und so entsteht fast unbemerkt eine Architektur, die vor allem eines sein soll.


Möglichst offen.


Möglichst flexibel.


Möglichst bereit für das, was noch kommen könnte.


Doch jede Zeit braucht mehr als Antworten auf ihre technischen Möglichkeiten.


Sie braucht auch Antworten auf ihre Sehnsüchte.


Vielleicht wächst gerade deshalb der Wunsch nach Orten, die bleiben dürfen. Nach Räumen, die nicht jeden Wandel mitmachen müssen. Nach Häusern, die uns nicht ständig auffordern, weiterzugehen, sondern uns einladen, für einen Moment zu bleiben.


Vielleicht ist genau das eine Aufgabe der Architektur unserer Zeit.


Nicht Veränderung zu verhindern.


Sondern in einer beweglichen Welt Orte zu schaffen, die Halt geben.


Denn Ankommen bedeutet vielleicht nicht, am Ende eines Weges zu stehen.


Sondern einen Ort gefunden zu haben, an dem das Leben für einen Moment nicht weiterziehen muss.


Ich freue mich, wenn Sie Ihre Gedanken dazu mit mir teilen.


Denn gute Architektur beginnt selten mit einem Gebäude.


Sie beginnt mit dem Leben.


Daniel Dalla Corte




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