Das Raumprogramm
Vom eigenen Alltag zum Entwurf
Dalla Corte ArchitectsFachlich geprüft von Daniel Dalla Corte, Architekt NDS ETHRecherche: 3 Min. Lesezeit
Was geschieht an einem gewöhnlichen Tag?
Wir beginnen ein Raumprogramm gerne mit Abläufen. Wo kommen Schuhe und Taschen an? Wer steht früh auf? Wo wird gearbeitet, wenn andere schlafen? Welche Räume werden gleichzeitig gebraucht? Die Antworten erzählen mehr über ein künftiges Haus als eine Liste schöner Referenzbilder.
Dabei sollten alle Personen zu Wort kommen, die dort leben werden. Unterschiedliche Tagesrhythmen oder Aufgaben verdienen Raum, ohne sie aus Rollenbildern abzuleiten. Auch eine Person, die selten zu Hause ist, kann einen konkreten Bedarf nach Rückzug haben.
Welche Beziehungen brauchen die Räume?
Eine Küche kann Treffpunkt sein oder konzentrierter Arbeitsraum. Ein Gästezimmer kann zeitweise Büro werden, sofern Akustik, Stauraum und Möblierung das erlauben. Wir spielen solche Mehrfachnutzungen mit konkreten Alltagssituationen durch.
Das Wohnungs-Bewertungs-System des Bundesamts für Wohnungswesen betrachtet den Gebrauchswert von Wohnraum. [1] Unsere konkrete Aufgabenstellung entsteht jedoch aus Ihrem Alltag. Quadratmeter sind dafür eine wichtige Information, aber keine vollständige Beschreibung von Wohnqualität.
Was wird sich voraussichtlich verändern?
Ein Raumprogramm soll die Gegenwart ernst nehmen und Spielraum lassen. Welche Veränderungen sind absehbar: ein Kind, Pflegebedarf, weniger Erwerbsarbeit oder ein Auszug? Nicht jedes mögliche Leben muss sofort eingebaut werden. Wir suchen eher nach wenigen räumlichen Entscheidungen, die später verschiedene Nutzungen zulassen.
Zur Vorbereitung helfen ein möblierter Bestandsplan und ehrliche Beobachtungen. Ein Raumtagebuch über einige gewöhnliche Tage kann zeigen, welche Orte fehlen und welche kaum genutzt werden. Die räumliche Übersetzung und die Abstimmung mit Budget und Grundstück brauchen anschliessend Entwurfsarbeit.
Ihr eigenes Raumprogramm vorbereiten
- Für jede regelmässige Tätigkeit Ort, Zeit und benötigte Ruhe notieren.
- Stauraum nach tatsächlichen Gegenständen beschreiben.
- Räume markieren, die gleichzeitig genutzt werden müssen.
- Unverzichtbare Bedürfnisse von Ausstattungswünschen trennen.
- Absehbare Veränderungen benennen, ohne jede Eventualität vorwegzubauen.
- Drei Qualitäten des heutigen Wohnens festhalten, die bleiben sollen.
Die Aufgabe gemeinsam schärfen
Ein gutes Raumprogramm ist für uns ein Gesprächsdokument. Es darf sich verändern, wenn der Entwurf eine bessere Möglichkeit zeigt. Bringen Sie Ihre Beobachtungen mit; daraus können wir gemeinsam eine präzise Aufgabe für Ihr Zuhause entwickeln.
Quellen und Grundlagen
Fragen zu Ihrem eigenen Vorhaben besprechen wir gerne persönlich.
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